Geschichte der Manteuffel-Kaserne / Daley-Barracks
1934
Im Dezember 1934 begann der Bürgermeister Bad Kissingens Verhandlungen mit der Reichsregierung in Berlin mit dem Ziel, eine Garnison für die Badestadt zu erhalten. Der Grund war, besonders in der Winterzeit, wenn keine Badegäste in der Stadt waren, einen festen Wirtschaftsfaktor, den eine militärische Garnison darstellte, für die Stadt zu gewinnen.
1936
Im August 1936 begannen die Bauarbeiten. Geplant war eine Kaserne nach der "Heeresbaunorm", einem genormten Bautyp, der die Vielzahl der damals im Reichsgebiet entstehenden Kasernenanlagen
für die neue deutsche "Wehrmacht", wie die deutsche Armee nun genannt wurde, erst möglich machte.
Im Jahr 1935 hatte Hitler den Aufbau einer modernen deutschen Armee angeordnet und sich damit
über die Beschränkungen nach dem Ersten Weltkrieg, die lediglich ein 100.000 Mann Heer (entsprach 7 Divisionen) vorsahen, hinweggesetzt.
Bereits
1938 war die Zielvorgabe von 36 Divisionen erreicht. Dazu kamen moderne Marineeinheiten, die Luftwaffe als eigene Teilstreitkraft und ein Heer mit relativ hohem Motorisierungsgrad.
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1937
Bereits im Mai 1937
wurde die Bad Kissinger Kaserne bezugsfertig.
Ab 1. Juni 1937 wurde das Kraftradschützenbataillon 2 als erster militärischer Verband in der Kurstadt stationiert. Das Bataillon gehörte zur 2. Panzerdivision und hatte eine Stärke von rund 900 Mann. Das Bataillon hatte die Tradition des ehemaligen Dragonerregimentes 5 übernommen. Zu Ehren des einstigen Kommandeurs dieses Regimentes, Freiherr von Manteuffel, erhielt die neue Anlage
den Namen "Manteuffel-Kaserne".
Am 17. Oktober 1937 fand der erste "Tag der offenen Tür" in der Manteuffel-Kaserne statt, um der Bad Kissinger Bevölkerung einen Eindruck von der nun komplett fertiggestellten und bezogenen militärischen Einrichtung zu geben.
1938
Nachdem Österreich 1938 vom deutschen Reich annektiert worden war, wurde entschieden, die 2. Panzerdivision aus Nordbayern in der Gegend um Wien zu stationieren. Das Kradschützenbataillon 2 wurde am 12. März 1938 aus Bad Kissingen abgezogen und nach Eisenstadt bei Wien verlegt.
Nachdem die Kradschützen Bad Kissingen verlassen hatten zog in die Manteuffel-Kaserne eine Sanitätsausbildungseinheit ein.
Während des Krieges diente Bad Kissingen als Lazarettstadt für kranke und verwundete Soldaten.
1945
Am Abend des 7. April 1945 erreichten erste Einheiten von General Pattons 3. US Armee die Kurstadt.
Die Übergabe der Stadt erfolgte ohne Kampfhandlungen. Lediglich die Ludwigsbrücke wurde noch während der Übergabeverhandlungen von zurückgehenden deutschen Truppen gesprengt.
Am 6. Juni 1945 verlegte der Stab der 9. US Air Force von Chantilly in Frankreich nach Bad Kissingen.
Am 1. November des gleiches Jahres verlegte auch das US XII Taktische Air Command in die Manteuffel-Kaserne und vereinigte sich mit der 9. Air Force. Am 10. November 1947 wurde die Einheit in Bad Kissingen aufgelöst.
1948
Von 1948 bis 1951 war in der Manteuffel-Kaserne das Hauptquartier der International Refugee
Organization (IRO), zuständig für die gesamte amerikanische Besatzungszone, untergebracht.
Die IRO hatte die Aufgabe, ehemalige Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus Osteuropa, die aus verschiedenen Gründen nicht in ihre Heimatländer zurückkehren konnten, auf die Auswanderung in andere Länder vorzubereiten.
1951
Nach der Berliner Blockade und dem Ausbruch des Koreakrieges begann als Gegenmaßnahme zum Expansionkurs der Sowjetunion die umfangreiche Stationierung von NATO-Truppen in West-Deutschland statt. Die Manteuffel-Kaserne, in unmittelbarer Nähe der Grenze zur "Ostzone" gelegen wurde, wie viele andere Kasernen der ehemaligen Wehrmacht auch, für eine militärische Nutzung durch die US Armee vorgesehen.
Die Kaserne wurde umfassend renoviert und das Areal erweitert. Geschäfte und Freizeiteinrichtungen
für US Militärangehörige sowie eine Wohnsiedlung für die Soldatenfamilien wurden errichtet. In einem eigenen Bereich wurde ein Munitionlager gebaut.
1953
Am 10. Februar 1953 erhielten alle durch die US Armee genutzen Kasernen neue, amerikanische Namen.
Aus der Manteuffel
Kaserne wurde nun die "Daley
Barracks". Der Namenspate war der
im Krieg gefallene Technician Fifth Grade William T. Daley, dem gleichzeitig posthum das "Distinguished
Service Cross" für außerordentliche Tapferkeit vor dem Feind verliehen wurde.
Über die Jahre waren eine Reihe von US Einheiten in den Daley- Barracks stationiert. Als Besonderheit sind hier vor allem die Kavallerie-Verbände der 14. und des 11. Cavalry Regimentes zu nennen das in der Grenzsicherung an der Innerdeutschen Grenze eingesetzt war.
1961
Als Teil eines Flugabwehrgürtels entlang der Innerdeutschen Grenze wurde auch in der Nähe von Reiterswiesen eine Flugabwehrraketenstellung für das "HAWK"-Waffensystem eingerichtet.
1993
Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurden nach und nach fast alle US Standorte in Deutschland aufgegeben. 1993 wurde auch die "Daley-Barracks" in Bad Kissingen geschlosen und an den deutschen Staat zurückgegeben. Die bis dahin hier stationierten Einheiten wurden in andere Standorte verlegt bzw. aufgelöst.
1998
Nachdem durch die Stadt Bad Kissingen auf dem ehemaligen Militärgelände ein Gewerbegebiet geplant worden war, wurde die Kaserne fast vollständig abgerissen. Nur wenige Gebäude wurden erhalten und dienen heute als Polizeipräsidium, Zentrum für Existenzgründer und weiteren zivilen Zwecken.
2005
Daley-Village, die Bad Kissinger Housing Area, wird an die deutsche Regierung zurückgegeben.
Von 1993 bis 2005 lebten in Daley-Village Familien von in Schweinfurt stationierten US Soldaten.
Heute
Ausser dem bis heute erhaltenen ehemaligen Eingangstor zur "Daley-Barracks" am Nordring und dem alten Obelisken mit dem Schriftzug "Manteuffel-Kaserne" am ehemaligen Kasernentor der Manteuffel-Kaserne erinnert heute nichts mehr an Bad Kissingens rund 60-jährige Militärgeschichte.
Zusammengestellt von H. Leitsch. 2008

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